Zuhause leben im Alter
Kreis Recklinghausen

Themenforum "Zuhause leben im Alter" mit Franz Müntefering 

Lebenswelt älterer Menschen in der Region im Blick

Über 220 Zuhörer aus pflegerischen Berufen und Verbänden, Vertreter der Politik sowie Angehörige und andere Interessierte füllten den großen Sitzungssaal am 12. März 2015 bis auf den letzten Platz. So groß war das Interesse an den Möglichkeiten für ein selbstbestimmtes Leben im Alter, die unter anderem von Gastredner Franz Müntefering anschaulich dargestellt wurden.


Gastredner Franz Müntefering
Gastredner Franz Müntefering
Moderator Matthias Müller
Moderator Matthias Müller
Vertreter des Netzwerkes "Zuhause leben im Alter" mit einem humorvollen und musikalischen Beitrag zum Ende des Forums.
Vertreter des Netzwerkes "Zuhause leben im Alter" mit einem humorvollen und musikalischen Beitrag zum Ende des Forums.

Organisiert wurde das Forum vom Netzwerk „Zuhause leben im Alter“, bestehend aus Vertretern des Caritas-Verbandes, der Diakonie und der AWO. Ihnen dankte Landrat Cay Süberkrüb in seiner Begrüßung herzlich. Früher oder später betreffe das Thema schließlich jeden: „Wir werden alle älter, nicht?“ Matthias Müller vom Caritas-Verband in Herten führte als Moderator durch die Veranstaltung.

Franz Müntefering brachte als Gastredner in seinem Vortrag „Gutes daraus machen – Alt werden in unserer Zeit“ Fragen rund um Pflege, Vernetzung und die eigene Verantwortung im Alter auf den Punkt. Gebannt lauschte das Publikum dem ehemaligen Bundesminister für Arbeit und Soziales, der sich fragte: „Wie kriegen wir die Leute dazu, sich nicht in den Schaukelstuhl zu setzen, fernzusehen oder schwere Kreuzworträtsel zu lösen?“

Müntefering betonte die eigene Verantwortung der Menschen und forderte, sich frühzeitig auf das Alter vorzubereiten, sich Rat einzuholen und das Wohnumfeld dem Alter anzupassen. Vor allem Vernetzung und Bewegung seien der Schlüssel zu vielen Herausforderungen des Alters: „Wir brauchen neue Formen der sozialen Netzwerke, nach dem Motto ‚Menschen kümmern sich um Menschen‘. Die größte Krankheit, die wir in Deutschland haben, ist die Einsamkeit.“ Gemeinsame Bewegung sei das Beste: „Wir werden im Alter nicht nur weise, wir werden auch ein bisschen komisch. Aber geh besser mit komischen Leuten spazieren als alleine zu sein.“

In der anschließenden Gesprächsrunde diskutierten Franz Müntefering, Landrat Cay Süberkrüb, der Gladbecker Bürgermeister Ulrich Roland, Sabine Breuckmann-Bock von der Caritas Marl sowie Astrid Baaske und Waltraud Schöppner als pflegende Angehörige das Themas aus unterschiedlichen Perspektiven. Einig waren sich alle darin: Vernetzung ist wichtig und funktioniert im Kreis Recklinghausen schon sehr gut. „Wir können die Pflege nicht kommunal finanzieren, aber wir können die Netzwerke stärken“, sagte Cay Süberkrüb. Und riet noch einmal eindringlich: „Bitte stellen Sie rechtzeitig Patientenverfügungen und Pflegevollmachten aus. Am besten heute.“

Mit einem Sketch des Netzwerks „Zuhause leben im Alter“ und einem Lied nach einer Melodie von Udo Jürgens fand die Veranstaltung einen beschwingten Ausklang. So gelang es den Veranstaltern nicht nur zum Schluss, ein ernstes Thema in einer lockeren Atmosphäre zu erörtern, zugleich wichtige und teils belastende Themen anzusprechen und die Menschen trotzdem mit einem Lachen nach Hause gehen zu lassen.

Fotos: Svenja Küchmeister, Kreis Recklinghausen